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Wintertour nach Norwegen 2000/2001

     


Es war noch eine Woche bis Weihnachten, als ich von Lars und Sandra gefragt wurde, ob ich Lust hätte, nach Norwegen mitzukommen - über Weihnachten und Silvester. Ein paar Freunde von Sandra würden auch mitkommen, um Abfahrtsski zu laufen. Das gewählte Verkehrsmittel sollte das Auto sein. Weil Lars und ich uns nicht vorstellen konnten, mit einer Sardinenbüchse in den Winterurlaub zu fahren, fiel unsere Wahl auf das besser geeignete (denkste!!) Fahrzeug : Das Solo-Motorrad

eine BMW R 100 GS und eine
Aprilia Pegaso 650


Wintertour per Motorrad in Norwegen

Da wir schon dreimal mit MZ und BMW-Gespannen im Winter in Norwegen waren und dort einige Solo-Motorräder gesehen hatten, dachten wir, das können wir auch. Nachdem wir uns grobstollige Reifen bei Peter Fasmers (dem Motorradreifenhändler unserer Wahl für Bremen & umzu...) geholt hatten, wurden diese mit Spikes versehen. Als geeigneten Reifen hatten wir den Metzeler Karoo für beide Motorräder gedacht. Auf Asphalt ist dieser Reifen allerdings wegen des groben Profils nicht zu empfehlen.

 

Am 23.Dezember ging es dann los. Da die Autofahrer keinen Platz mehr in ihrem VW Bus hatten. mussten wir bis auf die Ski alles selber auf den Moppeds mitnehmen. Mit den Motorrädern ging es dann über kleinen und kleinsten Landsträsschen nach Kiel zur Fähre. Im Alten Land und in Schleswig-Holstein fiel das Thermometer auf -11°C - siehe Bild rechts!
In Norwegen war es zu der Zeit gerademal -7°C. Brrrr, auf in den warmen Norden!!!

Unsere Freunde mit dem VW Bus hatten keine Lust auf Landstrasse und sind über die Autobahn zur Fähre gedüst. Nach der immer wieder schönen "Kreuzfahrt" mit der Kronprinz Harald kamen wir morgens um 9 Uhr in Oslo an. Im Hafenbereich lag noch ein bischen Schnee auf der Straße, aber als wir nach Oslo reinfuhren, waren die Straßen frei.

Aprilia auf Tour in Richtung Norwegen
Bulli auf Eispiste in Norwegen  

Als erstes sind wir zum Frognerseter, ein Aussichtsrestaurant/Cafe in der Nähe des Holmenkollen gefahren. Leider hatte dieses geschlossen, aber wegen des schönen Ausblicks über die Stadt lohnt sich die Auffahrt allemal.

 

 

Auf dem Bild rechts seht ihr auch die ganze Crew...

 
 
 

Anschließend haben wir uns dann auf den Weg nach Hemsedal (etwa 30 km nördlich von Gol) gemacht. Dort hatten wir für 14 Tage eine "Hytte" gebucht. Anfangs hatten wir die Autobusfahrer noch regelmäßig abgehängt. Doch je weiter nördlich wir kamen, desto mehr Eis war auf der Straße und unser Tempo drosselte sich auf ca. 60 km/h.
Im Bild links seht ihr die Piste - spiegelglattes Eis!

   

Die Temperatur sank auf -12°C und unsere Etappen zwischen den Cafe-/Aufwärmpausen wurden immer kürzer und die Pausen immer länger.
Da wir "Julaften" (24.Dez.) hatten, wurde es jedoch zusehends schwieriger, offene Cafes zu finden. Die meisten hatten geschlossen und es blieb uns nichts anderes übrig, als uns bei einem Kaffee in den Tankstellen aufzuwärmen. Diese machten zum Großteil allerdings auch schon um 15 Uhr zu. Weil die Autofahrer von dem dauernden Pausemachen genervt waren, fuhren sie schon mal zur Hytte vor. Je weiter wir Richtung Hemsedal kamen, um so schwieriger wurden die Strassenverhältnisse.

schnee und eis in Norwegen
 
 
Hytter i Norge   

Auf dem Wege von Hemsedal zu unserem Hyttengebiet war unser Vmax auf 40 km/h geschrumpft. Auf der Straße war nur noch eine geschlossene Eispiste mit leichter Schneeauflage und extrem gemeinen Spurrinnen. Als wir im Halbdunkeln an der Hytte ankamen, war der Glühwein schon fertig! Nachdem alles aus dem Wagen ausgepackt und die Motorräder abgesattelt waren, saßen wir noch gemütlich am offenen Kamin und genossen den Heiligen Abend.

                               
Skifahren in Norwegen

In den nächsten Tagen hatten die Abfahrtsskifans hauptsächlich mit Skifahren zu tun...

...und Lars und ich haben Motorradtouren in die nähere Umgebung gemacht. Eine Tour ging den Rv 52 zum Hemsedalsfjellet rauf. Landschaftlich absolut umwerfend ... mit den schneebedeckten Bergen, die in der Morgen- oder Abenddämmerung von goldgelb zu knallrot oder umgekehrt wechseln.

Norwegen: Abendstimmung um 15.30!
                               

Eine andere Tagesausfahrt ging auf kleine Nebensträsschen, die von der Zufahrt zum Hüttengebiet abgingen. Der Weg nach Fagerset durfte nur nach Bezahlen der Mautgebühr (Bompenger) befahren werden.

 


Ohne Spikes nix los! Schneepiste per Motorrad in Norwegen

Nachdem die Strecke zuerst geräumt war, ging der Weg zu einem Hof; wir entschieden uns dann aber für einen Abzweig, der nicht geräumt war und nur eine Treckerspur entlang führte. Diese Spur endete allerdings auf einer Langlaufloipe, so dass wir dort wieder umdrehen mussten.

   

Die Temperatur sank dort oben auf -25°C, und ein Schwede erzählte mir bei einem kurzen Halt noch in seinem gutem Deutsch, dass bei Tempo 80 und -20°C die gefühlte Temperatur bei minus 40 Grad liegen würde. Na, besten Dank, als würden 25 Minusgrade nicht schon ausreichend sein!

Leise rieselt der Schnee.....

Resümee

Womit wir nicht gerechnet hatten war, dass das Fahren mit den Solomotorrädern zumindest auf den vielbefahrenen Hauptstrassen mit den Spurrinnen und -rillen trotz Spikes und Stollenreifen so schlecht ging. Nachdem ich zweimal und Lars einmal auf der Nase gelegen hatte, wünschten wir uns doch wieder ein drittes Rad am Motorrad!!!
Beklagen kann ich mich allerdings nur über kalte Hände, Füsse und Gesicht. Alles andere war schön mollig warm, dank Thermo-Boy von Polo (sehr zu empfehlen), den ich mir kurz vor der Reise noch gekauft hatte.

Abfaaahhn...!

In den nächsten Tagen haben wir noch eine Langlaufski-Tour über 20 km gemacht und sind viel gerodelt (mit dem Schlitten selbstverständlich). Unser Rodelrekord lag bei einer 5 km Langen Abfahrt mit vielen Serpentinen in 15 min - macht eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 km/h! Fast so schön wie Motorradfahn...

Und schon war Silvester da. Lars ist nochmal kurz mit der R 100 GS nach Hemsedal gefahren und hatte ein Standfeuerwerk gekauft.

Räucher!!

- damit wir auch etwas zur Knallerei beitragen konnten...

Am nächsten Tag stand für uns Motorradfahrer die Abreise auf dem Programm. Wir wollten an einem Tag bis Oslo durchfahren, dort noch einmal bei einem Freund übernachten und am nächsten Tag die gebuchte Fähre nach Kiel nehmen. So war´s eigentlich geplant, aber wie so oft im Leben: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Eis und Schnee, ach herje...!
Pegaso und R 100 GS - gemeinsames Einfrieren!

Freundlicherweise stellte uns der Liftbetreiber von Solheisen (dem Ort, an dem wir die Hütte hatten) seine beheizte Werkstatt, die mit Hilfe der Fußbodenheizung auf wohlige 20°C aufgeheizt war, zur Verfügung, um die Motorräder die letzte Nacht vor der Abreise unterstellen zu können - da es ständig schneite, hatten wir vorher immer schon Probleme gehabt, die Moppeds vor der Hütte wiederzufinden...

 


Am nächsten Morgen packten wir die Stahlrößer mit unseren Utensilien voll, zogen uns der Außentemperatur entsprechend an und setzten uns auf die Motorräder und drückten die E-Starter ... und ..

...die Werkstatt wurde nur von dem kernigen Sound der Aprilia beschallt. An der Gummikuh tat sich absolut nichts. Strom war zwar ausreichend vorhanden, aber irgendwie vermochte der E-Starter nicht mehr sein Startsignal an den Anlasser zu übermitteln. Glücklicherweise war Asbjørn, der über die Werkstatt verfügte und sonst die Aufgabe hatte den Schnee von den Strassen zu räumen, einigermassen in Sachen KfZ-Elektrik bewandert - er legte kurzerhand ein Überbrückungskabel, und die BMW sprang an. Jetzt war es aber auch höchste Zeit, loszufahren, um Oslo noch im Hellen zu erreichen
.

In der Nacht hatte es allerdings jede Menge Neuschnee gegeben und es schneite immer noch ununterbrochen dicke Schneeflocken vom Himmel. Die Strassen waren schneebedeckt, darunter saß eine dicke Eisschicht mit jeder Menge Längsrillen drin. Das Fahren war so gut wie unmöglich, unser V-max lag so bei 30-40 km/h. Dann fing zu allem Überfluß die Aprilia an, dauernd während der Fahrt auszugehen (Wasser im Tank). Nach 20 km Fahrt haben wir uns dann entschlossen, unsere Aktion abzubrechen und sind wieder nach Solheisen zurückgeeiert. Dort konnten wir die Motorräder bei Asbjørn bis zum Frühjahr unterstellen.

Nachdem wir dann die Fähre telefonisch auf den nächsten Tag umgebucht hatten (was ohne Probleme ging), nahmen wir den Expressbuss nach Oslo, der um Mitternacht in Hemsedal losfuhr und um 5 Uhr morgens in Oslo ankam. Was uns erstaunte war, daß der Bus ohne ersichtliche Probleme mit ca. 80 Sachen über die Schnee- und Eispiste düste - und das ohne Spikes! Lars und ich sind dann am nächsten Tag mit einem lachenden (weil wir endlich wieder Zuhause waren) und einem weinenden Auge (weil die Moppeds jetzt ein viertel Jahr in Norge festsitzen) Zuhause angekommen...

Sonnenuntergang in Norwegen

Um die Autofahrer nicht zu vergessen: Die hatten noch ein paar Tage länger Zeit und sind noch zum Skifahren dageblieben. Im April sind Lars und ich nochmal mit meinem Pickup nach Solheisen gefahren und haben die Motorräder abgeholt. Manche mögen uns jetzt wohl für Weicheier halten, aber das ist uns egal, auf jeden Fall war die Reise mit den Solomotorrädern in die wunderschöne norwegische Winterlandschaft eine interessante Erfahrung...

MZ in Norwegen im Winter - das ist schon besser!

... und wir werden auch weiterhin im Winter mit den Motorrädern nach Norge fahren, allerdings hauptsächlich mit Seitenwagen...

Harald